Warum ich keine Veganerin bin

Wenn es um das Thema Ernährung geht, sind die Unterhaltungenselten von rationalen Fakten geleitet sondern werden recht emotional geführt.Das ist verständlich, denn was ich in meinen Körper tue, ist ja auch eine sehrpersönliche Entscheidung.

Vielleicht fällt es mir deswegen auch so schwer mich in die Kategorie “Vegetarierin” oder gar “Veganerin” einzuordnen. Solche Schubladen sind sowieso nicht meins. Wenn mir Fragen gestellt werden, ob ich mich vegetarisch oder vegan ernähre antworte ich meist, dass ich mich zu 90 % von pflanzlichen Lebensmitteln ernähre. „Aha, also ernährst du dich vegan!“ Naja fast, die restlichen 10 % hebe ich mir für ein Stück Käse auf (wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, denn Mama hat einfach einen guten Geschmack, was Käse angeht) oder wenn es sich nur unter großen Umständen vermeiden lässt tierische Lebensmittel zu essen und ich keine “vegane Szene” schieben möchte. Fleisch habe ich jedoch komplett von meinem Ernährungsplan gestrichen. Aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

Ich habe keine Lust mich erklären zu müssen und jedes Mal einen Elevator-Pitch über vegane Ernährung zu halten. Andererseits sind die Nachfragen meist von Interesse getrieben, nicht aufgrund von Ablehnung. Sich dem Gespräch zu entziehen, ist demnach auch egoistisch. Denn ich kann nicht wissen, was ich bei der anderen Person durch meinen Input erreichen kann. Vielleicht überlegt sie sich ja auch weniger von tierischen und mehr von pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren und ich könnte ihr dafür wertvolle Anreize bieten.

Heute möchte ich euch nicht meine Beweggründe mitteilen sondern von dem Prozess der Umstellung erzählen. Denn die Umstellung ist meiner Meinung nach der Schritt vor dem sich die meisten Menschen scheuen und Angst haben. Änderung und Wandel kann schließlich nur erreicht werden, wenn die gewohnten Routinen gebrochen werden.

Ich muss zugeben, dass mich schon lange das Gefühl begleitet, dass eine vegane Ernährungsweise das sinnvollste für Umwelt, Tier und mich ist. Aber mich vom Käse zu trennen? Niemals! Das kann ich nicht, denn ich lieeebe Käse! Das war lange mein Gedanke, der mich abhielt den nächsten Schritt zu gehen. Meine Ernährungsumstellung kam nicht von heute auf morgen. Immer wieder startete ich kleine Annäherungsversuche. Zuerst fastete ich vor 4 Jahren zum ersten Mal auf Fleisch, weniger aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen, vielmehr weil ich die Erfahrung machen wollte ohne Fleisch zu leben. Im Anschluss aß ich wieder etwas, aber deutlich weniger Fleisch. Schlichtweg weil es teurer war und ich auch gut ohne klar kam. Aufgrund ethischer Gründe und der Umwelt zuliebe kaufte ich schließlich kein Fleisch mehr, aß es irgendwann auch nicht mehr auswärts und vermisse es bis dato kein bisschen. Ein Mal aller Jubeljahre kommt es vor, dass ich ein Stück Fleisch wieder probiere. Zum Beispiel, wenn meine Mutter in vollem Stolz einen Braten zubereitet. Ich belasse es dann meist bei einem Bissen, denn mein Geschmack hat sich verändert. Falafel lassen da mein Herz deutlich höher schlagen. Aber zu einem Großteil liegt es an meinen Werten nach denen ich mein Handeln ausrichte und kein Fleisch mehr essen möchte.

Nach mehreren Jahren der vegetarischen Ernährung habe ich mich Ende letzten Jahres entschlossen weitestgehend auf tierische Produkte komplett zu verzichten. Welche zwei Gedanken mir die Umstellung auf die rein pflanzliche Ernährung erleichtert haben, möchte ich nun mit euch teilen:

  • Ich erteile mir keine Verbote.

… denn diese provozieren, ähnlich wie bei einer Diät, nur den Heißhunger und führen dazu, dass schnell die neue Gewohnheit wieder über Bord geschmissen wird. Ich respektiere jeden und jede, der oder die sich zu 100 % für eine Sache entscheiden, sei es gegen den Konsum von alkoholischen Getränken, Zucker oder eben tierischen Lebensmitteln. Dennoch finde ich sollte wir entspannter mit unseren Grenzen umgehen und uns eher auf eine bewusste Ernährung konzentrieren, als zu versuchen uns komplett vegan, low-carb, fettfrei oder was auch immer zu ernähren. Denn halten wir mal nicht unsere selbst auferlegten Regeln ein, so verurteilen wir uns nur für unser schlechtes Handeln anstelle uns für die restlichen 90 % wertzuschätzen. Das kann schnell zu einer negativ Spirale führen. Nach dem Motto: ein Mal „gesündigt“, kann ich es auch ganz sein lassen. Ich bin der Ansicht, dass es im Leben nicht darum geht perfekt zu sein und sich zu 100 % einer Sache verschreiben zu müssen. Es geht darum, dass du dir deiner Werte bewusst bist und schließlich dein Handeln danach ausrichtest.

  • Unsere Handlungen basieren aufgrund unserer Erfahrungen und Gewohnheiten.

Das was ich als richtig empfinde, ist zutiefst von allem geprägt was in meinem Leben geschehen ist. Im Laufe der Lebensjahre haben sich Gedankenmuster und daraufhin Gewohnheiten gebildet. Das ist auch der große Grund, warum es uns so schwer fällt aus alten Gewohnheiten zu brechen. Für das Hirn ist es viel anstrengender neue Synapsen und deren Verbindungen zueinander aufzubauen, als die vorhandenen Pfade zu gehen. Logisch, oder? Also finden wir unglaublich viele Gründe, weswegen der „alt bewährte“ Weg nach wie vor der beste ist.

Wenn wir alle ab und zu mit Abstand auf unsere Gewohnheiten, Ansichten und Überzeugungen blicken, uns widerstrebenden Gedanken annehmen und nicht sofort ablehnen dann können wir besser voneinander lernen, mehr ins Mitgefühl gehen und jeden Tag die Welt ein bisschen besser machen.

Was sind eure Gedanken zur veganen Ernährung? Was sind eure Kriterien für das was auf eurem Teller landet? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!


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